Diskussionsabend: Trolle, Propaganda und Hass in Onlinemedien

Der Inhalt von Netzdebatten beschäftigt derzeit intensiv die politische Öffentlichkeit. Russische Trolle, die versuchten den Ausgang der US-Wahlen zu beeinflussen, so genannte „Social Bots“, die versteckt Propaganda zur Meinungsbildung verbreiten und dazu noch eine allgemeine Verrohung der Debatte mit teilweise hasserfüllten Kommentaren, die keinen Widerspruch mehr dulden. „Das Internet ist kaputt“ lautet in diesem Zusammenhang eine häufig zitierte Floskel. Aber ist es das wirklich so? Welche Folgen haben die aktuellen Entwicklungen wirklich? Droht uns bei der Bundestagswahl 2017 ein Kampf der Algorithmen, um die Meinungshoheit? Und welche technischen und gesellschaftlichen Auswege gibt es? Welche Chancen und Gefahren birgt es Netzdebatten stärker zu kontrollieren? Am 9. November haben das European Research Center for Information Systems (ERCIS) und das IfK (Institut für Kommunikationswissenschaft), einen offenen Diskussionsabend veranstaltet, der auf universitärer Ebene angekündigt wurde. Dieser wurde eingeleitet durch drei kurze Impulsvorträge von Forschern der WWU Münster.

  1. Sebastian Köffer zur Frage Können Analytics den Hass im Netz eindämmen? Es wurde das Project Cyberhate-Mining beschrieben und Methoden zur Erkennung von Hasskommentaren vorgestellt.
  2. Lena Frischlich zum Thema Hass und Propaganda im Netz: Eine kommunikationspsychologische Perspektive. Es wurden die gesellschaftlichen Auswirkungen von Hass im Netz und die möglichen Wirkungsweisen von (automatisiert) betriebener Propaganda im Netz auf die Gesellschaft beleuchtet.
  3. Christian Grimme, Mike Preuß, Lena Adam zum Thema Ein technischer Blick auf Social-Bots oder: wie wir unseren ersten Twitter-Bot bauten und was seine Freunde alles können. Es wurden die wenigen nötigen technischen Schritte bis zum eigenen Twitter Bot dargestellt und gezeigt, wie einfach die Konstruktion von Social Bots ist. Als Abschluss wurde der Twitter Bot „John Potts“ in Aktion gezeigt und konnte von den Teilnehmern live getestet werden.

Passend zu den vorgestellten Themen wurde im Anschluss an die Impulsvorträge eine interaktive Diskussion mit dem Publikum durchgeführt, an der viele interessierte Zuhörer teilnahmen.

Der Hintergrund der Veranstaltung sind zwei aktuelle Forschungsprojekte an der WWU Münster. Das Projekt PropStop behandelt Erkennung, Nachweis und Bekämpfung von verdeckten Propaganda-Angriffen über Online-Medien. Im Projekt Cyberhate-Mining wurden Hasskommentare im Netz während der Flüchtlingskrise untersucht.